Worpswede ist gerade mal eine knappe halbe Stunde von Oyten entfernt. In der dortigen Music Hall finden regelmäßig Konzerte mit namhaften Musikern statt. Heute legte Heather Nova hier einen Stopp auf ihrer Breath And Air Tour ein, und ich machte mich auf den Weg in das kleine Künstlerdorf. Von außen sieht die Music Hall eher wie ein Restaurant aus. Das mit Reet bedeckte Haus mit Backsteinwänden und Sprossenfenstern liegt idyllisch am Straßenrand direkt an einer Kreuzung.
Die warmen Frühlingstemperaturen machten die Stunde Wartezeit bis zum Einlass angenehm. Drinnen erwartete mich ein bestuhlter Konzertsaal für etwas mehr als 500 Personen. Aufgrund eines im Vorfeld buchbaren Meet & Greets waren bereits ein paar Fans im Saal. Ein einzelner Platz in der Mitte der ersten Reihe war noch frei, aber ich entschied, mich lieber in die zweite Reihe leicht linkslastig zu setzen. Der Blick und auch die Fotos sind deutlich besser, wenn man den Mikrofonständer nicht direkt vor sich hat.
Support war Jaimi Faulkner, ein Australier, der seit mittlerweile 15 Jahren in Deutschland lebt und mich mit seinem Gitarrenspiel fesselte. Die Mischung aus Americana und Rock gefiel mir sehr gut, und die halbe Stunde, die er spielte, verging wie im Flug.
Nach einer kurzen Umbaupause betraten pünktlich um 21 Uhr Midori Jaeger und Heather Nova die Bühne. Ich freute mich, dass die Engländerin wie schon auf der letzten Tour als Live-Unterstützung dabei war. Das Cello ist grundsätzlich ein schönes Instrument und passt besonders gut zur akustischen Gitarre und Heathers Gesang. Die ersten Töne des Konzerts gehörten diesem Instrument, und langsam baute sich aus tiefen, traurigen Tönen das Lied Rewild Me auf.
Heather begrüßte das Publikum und erzählte, dass sie heute beim Aussteigen aus dem Tourbus einen Hahn krähen hörte und begeistert war, inmitten der Natur zu stehen anstatt in einer Seitenstraße irgendeines Stadtviertels. Das erste Lied, das sie vom neuen Album spielte, war Ghost In My Room. Es handelt davon, jemanden zu vermissen und in Gedanken an den Orten zu sehen, an denen man gemeinsam Zeit verbrachte.
Walk This World war 1994 das Lied, das Heather Nova einem größeren Publikum bekannt machte. Mit The Lights Of Sicily wurde direkt im Anschluss wieder ein neuer Song gespielt, der vom Reisen handelt. The Wounds We Bled, das von Scheidung handelt, ist genau wie Rewild Me eines meiner Lieblingslieder des Albums Pearl von 2019. Es folgte wieder ein Lied vom neuen Album: Ebbs And Flows thematisiert das Wechselspiel von Vergänglichkeit und Beständigkeit. Heather wohnt am Meer, und jeden Morgen, wenn sie aufsteht, kommen die Fischerboote zurück in den Hafen. Sie stehen in dem Lied für die Beständigkeit während die Gezeiten, die kommen und gehen, die Vergänglichkeit symbolisieren. Das Lied entstand über einen sehr langen Zeitraum von über zehn Jahren und wurde nun für das neue Album fertig.
Nach All I Need kam Bewegung auf die Bühne. Für die Single Hey Poseidon setzte sich Heather ans Piano, und Jake kam hinzu und nahm hinter dem Schlagzeug Platz. Auch die beiden folgenden Lieder Not Only Human und Butterflies And Moths wurden von Jake am Schlagzeug begleitet. Dann verabschiedete er sich vorerst wieder, und das autobiografische Island wurde gewohnt zu zweit mit Cello und Gitarre vorgetragen.
Für die aus dem Radio bekannte Single London Rain sucht sich Heather gerne jemand freiwilliges aus dem Publikum, der das Lied mit ihr zusammen singt. Dabei steht es einem frei, wieviel man singen möchte. Von Teilen des Refrains bis hin zum ganzen Lied ist alles möglich. Heute traute sich zunächst niemand. Heather hatte sich bereits damit abgefunden, als mit Kim eine junge Frau auf die Bühne kam und erzählte, dass sie schon 2022 beim Konzert in Groningen das Lied mit ihr gesungen hätte. Heather meinte, dass es dann ja wirklich Spaß gemacht haben muss, wenn sie es nun erneut macht.
Mit Breath And Air folgte jetzt der Titeltrack des neuen Albums, der von verlorener Kommunikation handelt und zu meinen Favoriten des Albums zählt. Redbird hieß Heathers Album von 2005, und daraus spielte sie als nächstes Singing You Through. Lieblingslieder setzen sich im Kopf fest, und man erkennt sie schon an den ersten Tönen. So ging es mir jetzt mit Like Lovers Do, das zu meinen all time favorites von Heather Nova zählt.
Jetzt gab es noch einmal ein neues Lied. From Up Here gehört zu meinen Lieblingsliedern des neuen Albums. Es handelt davon, dass Tote als Engel auf uns herab blicken. Heather schrieb das Lied, als eine Freundin von ihr plötzlich und unerwartet verstarb und somit ihre beiden Kinder nicht mehr aufwachsen sehen konnte. Nach dem Lied verriet Heather, dass Midori morgen Geburtstag hätte, und stimmte ein Ständchen für sie an. Mit Doubled Up vom Album Oyster endete das Konzert, und Midori und Heather verließen die Bühne.
Natürlich gab es noch eine Zugabe: Heathers letztes Album bestand aus Coverversionen, und daraus spielte sie nun Fireproof, das im Original von The National stammt. Besser konnte es für mich nicht laufen, das war wirklich eine tolle Setlist heute. Für I Wanna Be Your Light kam Jake nochmal auf die Bühne und unterstützte am Schlagzeug. Dann war wirklich Schluss.
Am Merch-Stand gab es nichts, was ich haben wollte, und so machte ich mich direkt auf den äußerst kurzen Heimweg. In Erinnerung bleibt ein richtig gutes Konzert, und ich freue mich schon auf die nächste Tour von Heather Nova.
Setlist
1. Rewild Me
2. Ghost In My Room
3. Walk This World
4. The Lights Of Sicily
5. The Wounds We Bled
6. Ebbs And Flows
7. All I Need
8. Hey Poseidon
9. Not Only Human
10. Butterflies And Moths
11. Island
12. London Rain (Nothing Heals Me Like You Do)
13. Breath And Air
14. Singing You Through
15. Like Lovers Do
16. From Up Here
17. Doubled Up
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18. Fireproof
19. I Wanna Be Your Light





















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