Wir waren beide etwas angeschlagen mit einer Erkältung nach Norwegen aufgebrochen, und die kalten Temperaturen hier trugen nicht wirklich zur Besserung bei. Deshalb tat das frühe Zu-Bett-Gehen gestern Abend ganz gut, und als wir heute um 9 Uhr wach wurden, begann es draußen gerade hell zu werden. Also rein in die dicken Klamotten und raus an die frische Luft. Wir starteten wieder auf Oslos Prachtstraße Karl Johans Gate. Hier findet man die wichtigsten repräsentativen und historischen Gebäude. Wie es sich für eine Flaniermeile gehört, liegen zwischen den Sehenswürdigkeiten die größten Hotels, internationale Restaurantketten, Souvenirshops, Boutiquen und Cafés. In einem davon besorgte sich Chris als erstes einen Coffee-to-go.
Als wir um 9:45 Uhr an der Domkirche vorbei kamen, standen hier bereits mehrere Lkws und Vans von Konzerttechnikern. Der Programmaufsteller vor der Kirche verriet uns, dass diese Woche täglich Konzerte stattfanden. Die Domkirche stammt aus dem Ende des 17. Jahrhunderts und ist die älteste und höchste Kirche der Stadt. Im Turm tickt außerdem die älteste Uhr des Landes aus dem Jahr 1718. Innen gehören die barocke Kanzel, der Altar und die Orgel mit ihren aufwendigen Schnitzereien zur Originalausstattung der alten Kirche. Da die Domkirche nun offiziell für Besichtigungen geöffnet war, inspizierten wir die Location direkt. Die Techniker waren bereits schwer mit dem Aufbau der Bühne und des Mischpults beschäftigt. Leider war es verboten, Fotos vom Inneren zu machen. Aber dazu hatten wir abends beim Konzert noch genug Gelegenheit.


Also widmeten wir uns unserem nächsten Touri-Programmpunkt und begaben uns wieder auf die Karl Johans Gate. Manche Geschäfte wurden von Lkws mit neuer Ware beliefert. Auf einem kleinen Vorplatz bot sich uns dann plötzlich ein ganz anderes Bild: Strohballen, Pferde, ein paar Cowboys mit Lassos, und daneben ein Schild mit dem Logo meiner Lieblingsserie Yellowstone. Zwei Männer mit Filmkameras machten sich gerade daran, ihr Equipment vorzubereiten. Ich sprach eine Frau an, dass sie sich aber weit von zuhause weg befände. Sie meinte, dass Norwegen ein wichtiger Drehort für die Serie sei und sie aktuell für den zweiten Teil der 5. Staffel drehen würden. Mir war das so gar nicht bewusst, denn ich hatte im Abspann immer nur von Drehorten in Montana, Utah und Texas gelesen. Da werde ich zukünftig mal genauer drauf achten, insbesondere wenn im kommenden Jahr die 5. Staffel veröffentlicht wird. Von den bekannten Haupt- oder Nebendarstellern konnte ich niemanden erblicken. Ich vermute daher mal, dass hier nur Nebenstränge gefilmt werden. Auf jeden Fall ein riesiger Zufall, gerade jetzt hier vorbei zu laufen. Noch schnell ein Foto gemacht, und dann mussten wir auch weiter, denn die Gefahr, an Ort und Stelle festzufrieren schien durchaus gegeben.
Wir kamen wie gestern Abend am Gedenkpark vorbei und erreichten dann den Weihnachtsmarkt, der aber morgens um kurz nach 10 Uhr noch geschlossen hatte. Egal, denn unser nächstes Ziel war die Universität.


Wenige Meter weiter endet Oslos Prachtstraße mit dem Königsschloss. Auf einer kleinen Anhöhe legte König Karl III. Johann im Jahr 1825 persönlich den Grundstein für den Bau. Führungen sind leider nur im Sommer möglich, aber auch von außen ist das Schloss schön anzusehen. Die norwegische Garde bewacht das Schloss bereits seit 1856. Die Wächter stehen 365 Tage im Jahr 24 Stunden lang vor der Tür. Täglich um 13:30 Uhr erfolgt die Wachablösung. Um die zu sehen, waren wir allerdings drei Stunden zu früh.
Um einigermaßen warm zu bleiben, bewegten wir uns vorbei am Konzerthaus zur Aker Brygge, einem beliebten Einkaufs- und Ausgehviertel an der Bucht Pipervika.


Über 100 Jahre lang war hier die mechanische Werkstatt
Aker in Betrieb, von der das Viertel seinen Namen hat. In den 1980er Jahren wurde
das Aker-Viertel weiterentwickelt. Moderne Architektur und historische
Fabrikgebäude schaffen heute eine ganz besondere Atmosphäre. Im Sommer
flanieren hier die Leute entlang des Kais, essen unter freiem Himmel und
genießen die Aussicht auf den Oslo Fjord. Jetzt im Winter zierten
Weihnachtsbäume das Ufer und die Boote im Hafen waren wie der Kai mit Schnee
überzogen.



Im Vorraum einer kleinen Mall war ein Stand im Candy Stick Design aufgebaut, an dem man seine frisch gekauften Weihnachtsgeschenke einpacken konnte.
Ich war fasziniert vom Blick über die Bucht. Auf der anderen Seite thronte die Festung Akershus, wo wir gestern Abend entlang spazierten. Uns gefiel es hier sehr gut, allerdings zwang uns die Kälte um 11:30 Uhr erstmal zum Aufwärmen in ein Café.
Eine halbe Stunde später stiefelten wir frisch aufgetaut
am Ufer entlang und genossen die Blicke auf den Oslo Fjord und die Marina.

Vor dem Museum moderner Kunst war ein großer Weihnachtsbaum im passenden Design aufgebaut. Der anschließende Tjuvholmen Skulpturenpark markierte den Wendepunkt unseres Spaziergangs. Im Sommer ist hier direkt nebenan das Tjuvholmen Strandbad. Nachdem meine Finger beim Fotografieren schon wieder erste Erfrierungserscheinungen aufwiesen, reichte meine Vorstellungskraft allerdings nicht aus, um hier Menschen vor dem geistigen Auge schwimmen zu sehen.

Wie verließen Aker Brygge und näherten uns dem Osloer Rathaus. das weltweit für die alljährliche Verleihung des Friedensnobelpreises bekannt ist. Jeweils am 10. Dezember rückt es damit ins Licht der Öffentlichkeit. Zwar waren wir dafür ein paar Tage zu spät dran, aber direkt gegenüber befindet sich das Nobel-Friedenszentrum. Der Souvenirshop im Erdgeschoss war eine gute Gelegenheit, um dem Körper wieder etwas Wärme zuzuführen.
Das Rathaus – ein roter Koloss mit zwei kantigen Türmen – wirkt, als wäre er aus Bauklötzen zusammengesetzt. In dem drei Meter höheren Turm befindet sich das Glockenspiel. Zwischen 7 Uhr und Mitternacht ertönt von hier stündlich eine andere Melodie. Da die mehrmals täglich stattfindenden kostenfreien Führungen nur in den Sommermonaten angeboten werden, begnügten wir uns mit dem Blick von außen.
Wir kamen wieder am Weihnachtsmarkt vorbei. Auf der östlichen Seite befindet sich das Parlamentsgebäude. Von hier aus wird die Arbeit der Regierung kontrolliert, norwegische Gesetze beschlossen und der Haushalt des Landes verabschiedet.

In einem Supermarkt kauften wir uns Wasser fürs
Hotelzimmer. Auf dem Weg zum Hotel begegneten wir wieder einem niedlichen
Troll.
Nachdem wir unsere Wasserflaschen ins Zimmer gebracht und uns aufgewärmt hatten, beschlossen wir, uns auf Nahrungssuche zu begeben. Direkt an der Ecke zur Fußgängerzone Karl Johans Gate befand sich ein Souvenirshop, und Chris wollte sich da mal umschauen. Vor allem die Trolle hatten es ihr angetan. Ich fand hier ein Paar warme Hausschuhe bzw. -socken. Chris wurde bei den Tassen fündig. Und für Dominic entdeckten wir das perfekte Mitbringsel: Einen bleistiftanspitzenden Elch. Die spontan erworbenen Einkäufe brachten wir nochmal schnell ins 100 m entfernte Hotel.
Jetzt aber los. Unser mittlerweile ziemlich leerer Magen empfahl uns, ohne große Suche auf direktem Wege etwas essen zu gehen, und so landeten wir um 15:30 Uhr wie gestern im Restaurant Egon. Diesmal bekamen wir einen Tisch in der oberen Etage mit Blick auf den Weihnachtsmarkt. Chris bestellte sich (wieder am Tresen des Restaurants) ein asiatisches Wokgericht und ich entschied mich für den Salat, den ich ursprünglich bereits gestern essen wollte. Es hat wieder sehr gut geschmeckt, und ich fand den Salat geschmacklich sogar eine Steigerung gegenüber dem Burger vom Vortag.


Als wir das Restaurant verließen, war es bereits
stockdunkel. Wir liefen zur Domkirche, wo eine beträchtliche Schlange auf den Einlass
zum Konzert um 17:30 Uhr wartete. Wir hatten aber erst Karten für das zweite
Konzert um 20 Uhr, und so nutzten wir die Zeit, um uns die Gegend um die
Domkirche herum genauer anzusehen. Brannvakten, ein altes, halbrundes Gebäude,
das den gesamten Platz umgab, beherbergte einige Geschäfte und Restaurants.
Besonders schön waren die Fackeln und offenen Feuer, die vor sämtlichen
Eingängen loderten. Das fiel uns auch an anderen Stellen in der Stadt auf.
Undenkbar bei uns in Deutschland, da wären maximal flackernde LED-Lichter
erlaubt.
Um 18 Uhr, anderthalb Stunden vor Einlass, stellte ich mich vor die Tür der Domkirche. Chris ging sich auf der anderen Straßenseite im Espresso House aufwärmen und einen Kaffee trinken. Gegen 18:30 Uhr kamen nach und nach weitere Konzertbesucher. Als Chris zurückkam, brachte sie mir einen Cookie aus dem Espresso House mit. Wir kamen mit einem deutschen Pärchen ins Gespräch, das vor zehn Jahren nach Oslo ausgewandert ist. So verging die restliche Wartezeit bis zum Einlass trotz der Kälte wie im Flug. Zuerst mussten aber die Besucher des ersten Konzerts die Kirche verlassen.




Als wir schließlich hineindurften, stellten wir fest, dass die erste Reihe für Gäste der Band reserviert war, und nahmen auf der linken Seite in der zweiten Reihe direkt am Mittelgang Platz. Die perfekten Plätze für uns, von denen wir absolut begeistert waren und für die sich das Ausharren in der Kälte definitiv gelohnt hat – besonders mit dem Wissen, dass das Konzert komplett ausverkauft war und es nicht wenige Bänke in den Seitenflügeln der Kirche gab, von denen man nur einen eingeschränkten oder sogar gar keinen Blick auf die Bühne hatte.

Kurz nach 20 Uhr betraten die Musiker die Bühne. Sängerin
Cathrine Iversen trug eine Laterne mit sich, die sie im Laufe des ersten Songs
auf dem Klavier platzierte. Umrahmt von wunderschönen Lichteffekten und Kerzenschein
spielten Secret Garden viele Lieder ihres Weihnachtsalbums Sacred Night,
angereichert durch den einen oder anderen Song früherer CDs. Besonders schön
waren die Duette, bei denen auch Sänger Espen Grjotheim mitwirkte. Die Laterne wurde immer mal wieder zur Untermalung
einzelner Lieder genommen und gehalten.
Vor den einzelnen Liedern gab es häufig kurze Anmerkungen von Pianist und Komponist Rolf Løvland und von Geigerin Fionnuala Sherry, wobei ich die norwegischen Kommentare von Rolf zwar nicht verstanden habe, aber manchmal zumindest wusste, wovon er redete, da einige norwegische Worte den deutschen durchaus ähnlich sind.
Setlist
Gegen Ende des Konzerts wurde das schätzungsweise 13jährige Mädchen, das vor uns in der 1. Reihe saß, auf die Bühne gerufen und durfte ein Lied mitsingen. Die norwegische Ansage dazu, in welchem Verhältnis dieses Mädchen zur Band stand, haben wir nicht verstanden. Aber bei der abschließenden Vorstellung der Musiker durch Rolf Løvland war ich total überrascht, dass auf der Bühne sowohl ein Dr. als auch ein Prof. Dr. der Musik vertreten waren. Hier waren wirklich Profis am Werk, und das merkte man auch deutlich.
Nach der Zugabe begann sich die Kirche zu leeren. Cathrine Iversen gesellte sich zu den Leuten, die in den beiden ersten Reihen auf der rechten Seite gesessen hatten. Offenbar waren das Verwandte und Freunde, denn es wurde sich herzlich umarmt und viel erzählt. Wir warteten, bis ein Großteil der Konzertbesucher die Kirche verlassen hatte. Ich hoffte darauf, dass die Band – wie ich es von anderen Konzerten gewohnt bin – sich auch hier nochmal blicken lässt. Vorsorglich hatte ich die Weihnachts-CD und einen Stift mitgenommen, um mir bei Gelegenheit Autogramme zu besorgen. Als es ruhiger wurde, sprach ich Cathrine diesbezüglich an. Sie signierte die CD, und wir wechselten ein paar Sätze.
Setlist
Sigma
A Million Stars
Grace
My Land
Sacred Night
Sagnet om julerosen
Song From A Secret Garden
Ave Maria
Cathedral
Strength
The Voyage
Mary’s Lament
I Know A Rose Tree
Mørketid
Sanctuary
Christmas Time Is Here Again
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You Raise Me Up
Gegen Ende des Konzerts wurde das schätzungsweise 13jährige Mädchen, das vor uns in der 1. Reihe saß, auf die Bühne gerufen und durfte ein Lied mitsingen. Die norwegische Ansage dazu, in welchem Verhältnis dieses Mädchen zur Band stand, haben wir nicht verstanden. Aber bei der abschließenden Vorstellung der Musiker durch Rolf Løvland war ich total überrascht, dass auf der Bühne sowohl ein Dr. als auch ein Prof. Dr. der Musik vertreten waren. Hier waren wirklich Profis am Werk, und das merkte man auch deutlich.
Nach der Zugabe begann sich die Kirche zu leeren. Cathrine Iversen gesellte sich zu den Leuten, die in den beiden ersten Reihen auf der rechten Seite gesessen hatten. Offenbar waren das Verwandte und Freunde, denn es wurde sich herzlich umarmt und viel erzählt. Wir warteten, bis ein Großteil der Konzertbesucher die Kirche verlassen hatte. Ich hoffte darauf, dass die Band – wie ich es von anderen Konzerten gewohnt bin – sich auch hier nochmal blicken lässt. Vorsorglich hatte ich die Weihnachts-CD und einen Stift mitgenommen, um mir bei Gelegenheit Autogramme zu besorgen. Als es ruhiger wurde, sprach ich Cathrine diesbezüglich an. Sie signierte die CD, und wir wechselten ein paar Sätze.

Und dann kamen tatsächlich Fionnuala und Rolf dazu. Cathrine erzählte ihnen, dass wir extra für das Konzert aus Deutschland gekommen seien. Die beiden signierten ebenfalls die CD und im Anschluss an ein kurzes Gespräch machte Cathrine von uns noch ein paar Fotos.
Dann verließen auch wir die Domkirche. Keine zehn Minuten später waren wir in unserem Hotelzimmer, und ein sehr schöner Tag ging zu Ende.



















































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