So machten wir uns also um 7:00 Uhr auf den Weg zum Flughafen nach Frankfurt. Die Fahrt und das Parken verliefen unspektakulär, so dass wir zügig im Flughafengebäude waren. Ich hatte am Vortag bereits online eingecheckt, so dass wir lediglich noch durch die Sicherheitskontrolle mussten. Und so saßen wir dann bereits um 9:00 Uhr gemütlich am Gate und warteten auf unseren Abflug um 10:35 Uhr. Irgendwann wurden wir per Durchsage darüber informiert, dass sich das Boarding verzögern würde, weil das Flugzeug noch beladen werden müsste. Immerhin sei das Cockpit bereits eingebaut. Diese Aussage machte mich stutzig: Sollten wir tatsächlich mit einem Flugzeug der Marke Do-It-Yourself-Bausatz fliegen? Ich wusste jedenfalls bislang nicht, dass Flugzeuge vor dem Abflug aus Einzelteilen zusammengebaut werden. Aber gut, der Steuerknüppel schien schon mal am Platz zu sein. 😉

Irgendwann begann tatsächlich das Boarding. Dazu musste lediglich der QR-Code des per eMail erhaltenen Boarding-Passes an der Schranke gescannt werden. Das war insbesondere deswegen interessant, weil seit Betreten des Flughafens bis zum Besteigen des Flugzeugs niemand unseren Reisepass sehen wollte. Und das war – um es gleich vorweg zu nehmen – auf der Rückreise ebenso. Wir mussten uns für diese Reise nirgendwo ausweisen. Nachdem wir den Bus bestiegen hatten, begann unsere offenbar im Reisepreis enthaltene Flughafen-Rundfahrt. Wir umkurvten verschiedene Flugzeuge und bekamen tolle Ausblicke auf diverse Flughafengebäude geboten. Im Bus selbst fiel mir folgendes Schild auf, was mich zu der Frage führte, ob es denn auch Nothennen gibt?
Nachdem wir endlich mit einer Stunde Verspätung im angeblich frisch zusammengeschraubten Airbus Modellbausatz A320 saßen, wurden wir vom Piloten auf eine weitere Verzögerung eingestimmt. Mit den Worten „ich weiß gar nicht, wie ich Ihnen das glaubhaft erklären soll“ wurden wir darüber informiert, dass man freundlicherweise einem großen Jet Vorrang beim Abflug eingeräumt hatte und dadurch selbst in der Reihenfolge soweit zurückgefallen war, dass es nun weitere anderthalb Stunden dauern sollte, bis wir abheben durften. Er wollte das aber nicht tolerieren und sich um einen früheren Startplatz bemühen, was letztendlich auch klappte. Nachdem schließlich noch unsere Tragflächen enteist waren, hoben wir mit gut zwei Stunden Verspätung vom Boden ab.
Beim Landeanflug auf den Osloer Flughafen wähnten wir uns wie in einer anderen Welt. Überall lag Schnee, es sah aus wie in einem Wintermärchenland. Da wir nur Handgepäck hatten, waren wir schnell bei den Ticketschaltern für die Züge. Der Flughafen liegt außerhalb der Stadt und man muss je nach Zug etwa 20 Minuten fahren, bis man am Hauptbahnhof im Osloer Zentrum ankommt. Der Expresszug Flytoget fährt nonstop durch, ist aber mit 22 € auch fast doppelt so teuer wie der Regionalzug, der lediglich einmal anhält.
Hier im hohen Norden ging zu dieser Jahreszeit genau jetzt die Sonne unter. Bis zu unserem gebuchten Hotel, der Citybox Oslo, waren es keine fünf Gehminuten. Es fühlte sich komisch an, um diese Uhrzeit durch die Dämmerung zu laufen. Wir checkten an den automatischen Terminals im Vorraum ein und bekamen unsere Schlüsselkarten fürs Zimmer ausgehändigt. Dieses befand sich in der zweiten Etage, direkt über einer Straßenbahnhaltestelle. Entgegen unserer ersten Befürchtung war das aber überhaupt kein Problem und hat uns nicht im Geringsten gestört. Wir stellten unsere Taschen im Zimmer ab und machten uns dann gleich auf den Weg, um noch ein wenig die Stadt zu erkunden.
Eine Querstraße weiter begann die Fußgängerzone von Oslo, und wir befanden uns auf der Prachtstraße der Stadt, Karl Johans Gate. Wir waren keine 200 m gelaufen, schon tauchte rechts neben uns die Domkirche auf, in der morgen das Weihnachtskonzert stattfinden sollte. Da es nach 16 Uhr war, war sie leider bereits geschlossen. Aber von außen sah sie schon mal sehr schön aus, und ich spürte den ersten Anflug von Vorfreude in mir.
Auf dem Weg zurück zur Fußgängerzone begegnete uns vor einem Souvenirladen dieses kleine Kerlchen.
Es schneite, und die weißen Straßen in Verbindung mit den Lichtern versetzten uns direkt in vorweihnachtliche Stimmung. Überhaupt war die komplette Innenstadt sehr schön geschmückt.
Nach ein paar Minuten erreichten wir den Osloer Weihnachtsmarkt. Neben den üblichen Fressständen konnte man auch mit einem Riesenrad fahren oder auf einer Eisbahn Schlittschuh laufen. Eine gemütliche Feuerstelle lud zum Verweilen ein. Hier waren an zwei Ständen Elchköpfe montiert, die sich bewegten und sich miteinander unterhielten.
Uns knurrte inzwischen der Magen, schließlich war es bereits 17 Uhr und das Frühstück schon eine Weile her. Direkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite vom Weihnachtsmarkt befand sich das Restaurant Egon, dessen Karte sich sehr gut las. Die Warteschlange vor der Tür ließ darauf schließen, dass es sich lohnt, hier anzustehen, und so gesellten wir uns dazu. Kurze Zeit später waren wir bereits an der Reihe und bekamen einen Tisch zugewiesen. Das Restaurant erstreckte sich über zwei Etagen, war recht verwinkelt aber total urig eingerichtet und toll (weihnachtlich) dekoriert. Man musste zum Tresen gehen, um dort seine Bestellung aufzugeben und zu bezahlen.
Die Getränke nahmen wir gleich mit, das Essen wurde uns an den Tisch gebracht. Chris hatte sich Lachs bestellt. Ich wollte zuerst einen Salat essen, hatte mich dann aber kurzfristig für einen Burger entschieden. Es war sehr lecker. Man sollte nur aufpassen, dass einem die Preise in Norwegen nicht auf den Magen schlagen. 😉
Wir verließen das Restaurant durch das Paleet Einkaufszentrum und bestaunten die Weihnachtsdeko sowie die Schaufenster-Holzverkleidung eines Ladens.
Wir verließen das Restaurant durch das Paleet Einkaufszentrum und bestaunten die Weihnachtsdeko sowie die Schaufenster-Holzverkleidung eines Ladens.
Dann führte uns unser Weg durch die verschneiten Straßen am Osloer Rathaus vorbei auf den Rathausplatz, wo wir zum ersten Mal den Hafen und den Oslo Fjord erblickten. Es war inzwischen 18:20 Uhr und stockfinstere Nacht.
Die erste Sehenswürdigkeit, die wir uns anschauen wollten, war der Observation Point Frankin D. Roosevelt. Die Statue des 32. US-Präsidenten wurde von der norwegischen Regierung als Dank für seine Unterstützung im 2. Weltkrieg aufgestellt.
Aufgrund der klirrenden Kälte mit inzwischen -13°C, des Schneefalls und des leichten Fjordwindes liefen wir etwas zügiger am Ufer des Hafens entlang. Auf der Landseite ragte die Festung Akershus empor. Seit Anfang des 14. Jahrhunderts konnte sie trotz wechselnder Geschichte und mehrmaliger Belagerung nichts erschüttern. Seit dem 19. Jahrhundert wird sie nicht mehr als Festung benutzt. Unter der deutschen Besatzung diente die Festung zwischen 1940 und 1944 als Gefängnis und Exekutionsplatz. Das Mausoleum der Festung ist die letzte Ruhestätte der norwegischen Könige der Neuzeit.
Jetzt waren wir komplett durchgefroren und machten uns daher auf den Rückweg zum Hotel. Im dort angrenzenden Café Spor av Nord gönnten wir uns zum Tagesausklang eine heiße Schoki bzw. einen Kaffee und einen süßen Nachtisch. Chris entschied sich für eine Spezialität aus Nordnorwegen, die optisch einem Crèpes ähnelte, aber genau wie mein Stück Torte sehr mächtig war und uns auch geschmacklich nicht begeistern konnte.
Gegen 20 Uhr waren wir dann schließlich zurück im Hotelzimmer.































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