Schon gestern waren Sabines Blutzuckerwerte schlechter geworden. Das war neben dem durchwachsenen Wetter mit ein Grund, den Urlaub abzubrechen und wieder heim zu fahren. Ich wollte im Notfall nicht meilenweit von Zuhause weg sein. Als wir heute morgen aufstanden, ging es Sabine nicht gut. Sie rief ihre Ärztin an, und es stellte sich heraus, dass sie am Freitag Abend in der Notaufnahme in Bremen zwar das Insulin für die untertägige Regulierung des Blutzuckerspiegels erhalten hatte, aber die Basis dafür fehlte. Während eine Insulinpumpe den Körper auch nachts versorgt, muss man sich ohne Pumpe morgens einen 'Grundbestand' spritzen. Das fehlte nun den dritten Tag in Folge und war laut Sabines Ärztin aufgrund der beschriebenen Symptome lebensbedrohlich. Sie stellte ihr umgehend ein Rezept für das Basisinsulin aus und schickte uns in die Apotheke. Dort angekommen stellte sich heraus, dass das Rezept nicht zu dem passte, was die Apotheke im Bestand hatte. Bestellen war keine Option, und so rief Sabine nochmal bei ihrer Ärztin an, damit diese das Rezept auf das Basisinsulin änderte, das die Apotheke auf Lager hatte. Die Aktualisierung des Rezepts auf der Krankenkassenkarte dauerte eine knappe halbe Stunde. Wir überbrückten die Zeit, indem wir eine Runde spazieren gingen. Für den Transport des Insulins bekamen wir einen Kühlakku von der Apotheke. Auf Sabines Hinweis, dass wir nicht von hier sind und ihn nicht zurückgeben können, meinte die Chefin, dass das kein Problem sei und sie ihr den Akku schenkt.
An dieser Stelle ein ganz großes Lob an die Kreuz Apotheke in Rülzheim! Ich wurde in den 11 Jahren, die ich hier wohnte, immer sehr gut bedient und beraten, und auch in der heutigen Notsituation wurde Sabine als unbekannte Kundin außerordentlich gut behandelt. Hier ist man als Patient wirklich in den besten Händen.
Auf dem Rückweg holten wir uns beim Bäcker etwas fürs Frühstück. Die Insulin Aktion hatte unseren Zeitplan ziemlich durcheinander gewirbelt. Ich schlug vor, die Mietwagenbuchung zu stornieren, denn was machen wir, wenn es Sabine schlechter geht und sie nicht mehr fahren kann? Immerhin dauert die Fahrt sechs bis sieben Stunden. Aber Sabine meinte, dass wir das jetzt durchziehen. Ich wollte bei Sixt Bescheid geben, dass wir später kommen, fand aber nur eine zentrale Hotline-Nummer in München. So fuhren wir nach dem Frühstück mit einer Dreiviertelstunde Verspätung nach Karlsruhe, wo wir um 10:45 Uhr ankamen. Der freundliche Sixt Mitarbeiter im Office änderte die Anmietzeit auf 11 Uhr ab, so dass wir bei der Abgabe des Autos morgen früh etwas mehr Zeit haben.
Die Übergabe auf dem Parkplatz war kurz und knackig. Der Fuhrpark-Mitarbeiter fragte mich, ob ich chinesisch spreche, weil es sich bei dem gemieteten Sprinter um ein Auto der chinesischen Marke Maxus handelte. Dann bekam ich den Schlüssel in die Hand gedrückt, und mir wurde gezeigt, wo die Ausfahrt des Firmengeländes ist. Das war's. Naja, Autofahren kann ich ja. Sabine folgte mir im Puma nach Rülzheim.
Wir begannen damit, die Kartons, die ich vor zwei Wochen gepackt hatte, einzuladen. Mein Fahrrad und die Winterräder fürs Auto kamen ebenfalls dazu. Letztendlich hätte das kleinere Sprintermodell auch gereicht. Da sieht man mal, wie leicht man sich verschätzt.
Um 14 Uhr verließen wir Rülzheim und begaben uns Richtung Autobahn. Anfangs fuhr Sabine noch brav hinter mir her, aber als wir auf der A7 ankamen und die Richtung klar war, übernahm sie auch öfters mal die Führung. Es war schon komisch, mein Auto fahrend von hinten zu sehen 😉
Nach zwei Stunden Fahrt machten wir auf einem Rastplatz eine Pause. Ich prüfte kurz, ob die Ladung verrutscht war, aber natürlich war alles in Ordnung. Wichtiger war ohnehin, dass sich Sabine gesundheitlich gut fühlte.
Wir fuhren wieder auf die Autobahn. Mit dem Wetter hatten wir heute Glück. Es war zwar wechselhaft und frisch, aber trocken. Als es zu dämmern begann, legten wir nochmal eine Pause ein. Dann fuhren wir die letzte Stunde nach Hause und luden den Sprinter aus.



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