Montag, 8. Oktober 2018

Auf zum North Rim!

Heute haben wir um kurz vor halb neun ausgecheckt. Wir verließen die Glen Canyon Recreation Area und fuhren in Richtung Page.


Da sich Dominic nicht mehr erinnerte, dass wir hier 2009 schon mal waren, hielten wir spontan am Scenic View des Glen Canyon Damms an und liefen die paar Meter zum Aussichtspunkt hinunter.





Auf dem Rückweg fragte Dominic, ob es sich bei dem Fluss ebenfalls um den Colorado River handelte. Wir bejahten. Eine kurze Denkpause später sprudelte aus ihm heraus: „Boah ey, jetzt fühl‘ ich mich voll verarscht. Wir wandern den ganzen Grand Canyon hinunter und hier kommt man viel einfacher an den Fluss.“ Das war schon jetzt der Spruch des Tages. 😊



Gegen 9:00 Uhr fuhren wir die kurze Strecke zu Jack in the Box, wo wir frühstückten.



Eine halbe Stunde später waren wir auf der 89 nach Süden. An einem Aussichtsparkplatz hielten wir kurz an und genossen den Blick über die weite Ebene, durch die uns der weitere Weg führte.



Bei Bitter Springs bogen wir auf die 89A in Richtung Kanab / Fredonia ab. Nach 22 Kilometern erreichten wir um 10:15 Uhr die Navajo Bridge, die den Colorado River im Marble Canyon überquert. Hier machten wir ebenfalls eine kurze Pause.








Schon zehn Minuten nachdem wir die Brücke passiert hatten, erreichten wir die Cliff Dwellings (Klippenwohnungen). Diese Steinformationen sehen aus wie Pilze. Unterwegs waren wir von den tiefhängenden Wolken beeindruckt, die die Bergspitzen umhüllten.








Um 10:45 Uhr machten wir uns wieder auf den Weg in Richtung Grand Canyon North Rim, unserem heutigen Tagesziel. Je weiter wir nach Westen kamen, desto grüner wurde die Gegend und bald erreichten wir den Kaibab National Forest. Am Straßenrand standen alle paar Meilen Schilder, die uns auf die Höhenlage hinwiesen. Bald hatten wir 8.000 Fuß erreicht, was etwas mehr als 2.400 Metern entspricht. So wie die Höhe zunahm, nahm die Temperatur ab, und als wir um 11:25 Uhr das Kaibab Plateau Visitor Center bei Jacob Lake erreichten, zeigte der Bordcomputer noch eine Außentemperatur von 42° F (5,5° C) an. Hier lag tatsächlich Schnee.





Schon am South Rim liebäugelte Chris mit einem Grand Canyon T-Shirt, auf dem stand: 'Down is optional, up is mandatory'. Nachdem Chris tatsächlich am Grund des Canyons war und es dieses Shirt auch hier im Shop gab, musste es nun mit.

Nach einer knappen Viertelstunde fuhren wir die Stichstraße zur Grand Canyon Lodge weiter. Auf den nun folgenden 70 Kilometern hatten wir abwechselnd Regen und Schneeregen, Sonne und Nebel. Mittlerweile befanden wir uns auf über 8.800 Fuß (knapp 2.700 Meter), und die Temperatur sank auf 36° F (2° C). Wir legten immer wieder Fotostopps ein, vor allem weil uns die abgebrannten Bäume vom letzten Waldbrand im Sommer faszinierten. Die schwarzen Stämme bildeten einen deutlichen Kontrast zu den jungen Birken mit ihren goldgelben Blättern und dem schneebedeckten Boden.






Um 12:25 Uhr kamen wir am Grand Canyon National Park an. Da unser Ticket vom South Rim noch gültig war, durften wir sofort passieren.



Der Parkplatz an der Grand Canyon Lodge war ziemlich voll. Hier hatten wir eine der zahlreichen Cabins gebucht. Als wir gegen 13:00 Uhr an der Rezeption ankamen, war das Häuschen erwartungsgemäß noch nicht zum Einchecken fertig. Man bat uns freundlich, später nochmal wieder zu kommen.


Unser Blick fiel auf ein Plakat, auf dem ein All-you-can-eat Buffet beworben wurde. Uns wurde geraten, rechtzeitig einen Tisch zu reservieren, was wir umgehend zu 16:30 Uhr taten.


Auf dem Weg zurück zum Auto machten wir einen kurzen Abstecher in den Souvenir Shop nebenan. Dieser war größer als erwartet. Da Dominic im Auto wartete, blieb es beim kurz. Am Auto entschieden wir, die Wartezeit bis zum Check-in zu nutzen und schon mal den Bright Angel Point Trail entlang zu gehen, der direkt am North Rim verläuft und nur etwa 800m lang ist. Da es immer noch nieselte und sehr kalt war, zogen wir uns am Auto zunächst noch wärmere Sachen über und aßen eine Kleinigkeit von unserem Obst, bevor wir loszogen.






Wir waren uns nicht sicher, ob es Nebelschwaden oder tiefhängende Wolken waren, die vorbeizogen. Auf jeden Fall erzeugten sie teilweise eine gespenstische Atmosphäre, gaben immer wieder den Blick auf den Canyon frei, um ihn dann wieder zu verhüllen. Vom Bright Angel Point hatten wir einen fantastischen Fernblick bis rüber zum South Rim. Wir konnten sogar den Indian Garden erkennen, wo wir vor wenigen Tagen bei unserer großen Wanderung Rast machten.







Auf dem Rückweg zur Lodge kamen wir mit einer Frau aus dem Elsass ins Gespräch und erzählten dabei von unserer Wanderung zum Colorado River und zurück. Sie war verblüfft und überrascht und berichtete uns, dass sie vor ein paar Jahren (allerdings im Juli) ebenfalls den South Kaibab Trail bis zur Cedar Ridge hinunter und zurück wanderte. Allerdings endete ihr Erlebnis in einer Rettung. Auf dem Rückweg war sie mit den Kräften am Ende. Zusammen mit einer anderen Wanderin, die sich um sie kümmerte, warteten sie auf eine Rangerin. Von beiden gestützt schaffte sie es schließlich wieder nach oben. Das wiederum hat uns überrascht, denn die Frau war schlank und wirkte sportlich.






Um 15:15 Uhr waren wir wieder an der Rezeption. Leider hatten wir noch immer kein Glück. Unsere Cabin war nach wie vor nicht fertig und wir sollten um 16:00 Uhr nochmal kommen. Diese Dreiviertelstunde wollten wir im Warmen verbringen und so bot es sich an, jetzt den Souvenirshop ausführlicher unter die Lupe zu nehmen. Es gab hier wirklich tolle Sachen (auch ein Nebenraum mit indianischer Handwerkskunst), und so war es kein Wunder, dass wir fündig wurden.








Um 16:00 Uhr standen wir erneut an der Rezeption und fragten, ob unsere Cabin nun bereit sei. Wir erhielten zur Antwort, dass die von uns gebuchte Kategorie überbucht sei. Na toll. Die nächsten Worte waren „but it is your lucky day“, und ehe wir uns versahen, bekamen wir ein kostenloses Upgrade und die Schlüssel zur Cabin Nr. 301, eine von vieren, die direkt am Rim stehen und dementsprechend einen grandiosen Ausblick haben. Uns fiel fast die Kinnlade auf die Theke. Wir holten unsere Sachen aus dem Auto, parkten näher an der Lodge (es waren nun ein paar Parkplätze frei geworden) und konnten unser Glück kaum fassen. Absolute Traumlage und wunderschöne Cabin mit Fireplace und Front Porch inkl. Schaukelstühlen.








Pünktlich um 16:30 Uhr gingen wir zum Bright Angel Buffet, welches im Grand Canyon Lodge Auditorium, einem separaten Saal, aufgebaut war. Wir durften unseren Tisch selbst aussuchen. Da um diese Zeit außer einem weiteren Tisch noch nichts los war, setzten wir uns an einen Fensterplatz und hatten nun auch noch beim Essen diese einzigartige Aussicht. Das Essen war vielseitig und sehr lecker. Besondere Erwähnung haben die bunten Kartoffeln verdient (u.a. orange und violett).



Als wir zur Cabin zurückgingen, begann der Canyon im Sonnenuntergang zu leuchten. So drehten wir nochmal eine kleine Runde auf dem Bright Angel Point Trail.






Eigentlich wollten wir den Abend in unserer schönen Cabin verbringen. Chris hatte allerdings gelesen, dass um 20:00 Uhr ein Vortrag von einer Rangerin über die Geschichte des National Park Services stattfand. Und so gingen wir drei – nachdem wir unsere Fotos gesichert und die Stichpunkte für den Blog notiert hatten – erneut ins Auditorium. Rangerin Rachel erzählte beeindruckend und mitreißend 90 Minuten lang, wie sie aus New York City stammend National Park Rangerin am Grand Canyon North Rim wurde und damit ihren Traumjob gefunden hatte. Sie berichtete auch von Kolleg(inn)en und deren Liebe zu ihrem eigenen Park, gemäß ihrem Motto „find your own park“.



Um 22:00 Uhr waren wir wieder in der Cabin und gingen schlafen.

Unterkunft
Grand Canyon North Rim Lodge

Wetter
Bewölkt und Regen, nachmittags trocken, kalt

Claus
+ Die Cabin (was für ein Ausblick von der Front Porch!), der North Rim und die Cliff Dwellings.
- Mal wieder das Wetter. Immerhin wurde es nachmittags/abends besser.

Chris
+ Der North Rim und die Fahrt dorthin waren irgendwie urig. Die Cliff Dwellings auch. Cabin in der ersten Reihe war schon genial.
- Ganz schön kalt hier oben.

Dominic
+ Endlich mal wieder Schnee!
- Die lange Fahrt. Der ganze Tag war irgendwie langweilig.

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