Dienstag, 9. Oktober 2018

Wandern am North Rim

Wir sind zum Sonnenaufgang um 6:30 Uhr aufgewacht und haben den Blick aus der Cabin genossen. Claus und Chris gingen kurz in den nahegelegenen Roughrider Saloon und kauften einen Kaffee und zwei heiße Schokis. Draußen war es ziemlich kalt, die Holzstühle auf der Aussichtsterrasse der Lodge waren sogar noch gefroren.




Mit den Heißgetränken und unseren mitgebrachten Muffins haben wir uns trotz der Eiseskälte in die Schaukelstühle auf der Front Porch gesetzt, gefrühstückt und uns an der wunderschönen Aussicht erfreut. Dominic war es zu kalt, er trank seine Schoki in der Cabin.




Um 7:45 Uhr checkten wir aus und machten noch ein paar Fotos von der Cabin und der unmittelbaren Umgebung.







Unsere Pläne haben sich in diesem Urlaub schon ein paar Mal geändert. Heute strichen wir die Fahrt zum Toroweap Point von unserer Liste, da die mehrstündige Anfahrt dahin über eine unbefestigte Straße führt. Aufgrund des Regens in den letzten Tagen war uns nicht klar, ob diese Straße überhaupt befahrbar war, und so entschieden wir uns, stattdessen lieber hier am North Rim einige kleinere Wanderungen zu machen. Für die erste Wanderung, den Uncle Jim Trail, fuhren wir zum zwei Meilen entfernten North Kaibab Trail Parkplatz. Hier starten zwei Wanderwege: Der Ken Patrick Trail, von dem nach ein paar hundert Metern der Uncle Jim Trail abzweigt, und der North Kaibab Trail, der hinunter zur Phantom Ranch führt. Letzterer war uns aber heute ein kleines Stück zu weit 😉


Der Parkplatz war schon gut gefüllt. Direkt nebenan wohnen die Mulis, mit denen man geführte Touren buchen kann.



Um 8:05 Uhr sind wir auf dem Ken Patrick Trail losgelaufen. Der Weg war anfangs sehr matschig und gespickt mit Mulihaufen. Er führte komplett durch den Wald, und mit jedem Meter, den wir gingen, wurde es wärmer und sonniger. Die Aussicht, die sich uns zwischen den Bäumen immer wieder bot, war fantastisch.






Nach etwa zwei Kilometern zweigte der Uncle Jim Trail ab. Dieser führte zum Uncle Jim Point, einem Aussichtspunkt, den wir um 9:05 Uhr erreichten. Hier boten sich uns spektakuläre Blicke in den Grand Canyon.








Eine halbe Stunde verweilten wir an diesem Fleck. Dann gingen wir den Rundwanderweg, der immer wieder mit tollen Ausblicken aufwartete, weiter.





Das letzte Stück zum Parkplatz zurück ging wieder über den Ken Patrick Trail. Überraschenderweise kamen wir schon um 10:35 Uhr am Auto an. Die Wanderung war mit einer Dauer von 3 Stunden angegeben.


Inzwischen war hier richtig Betrieb, ein paar Autos warteten schon darauf, dass jemand wegfuhr. Wir bogen an der nächsten Kreuzung nach Osten auf die Cape Royal Road ab, die auf einer Strecke von bis zu 35 Kilometern zu verschiedenen Aussichtspunkten führte. Unser erstes Ziel an dieser Straße war der Point Imperial, mit 8.803 Fuß bzw. 2.684 Metern der höchste Aussichtspunkt innerhalb des Nationalparks. Diesen erreichten wir gegen 11:00 Uhr. Das Ehepaar, das das Foto von uns Dreien gemacht hat, kam aus Los Angeles. Wir unterhielten uns eine ganze Weile mit ihnen, auch über ihre Urlaube in Deutschland und Europa.








Anschließend fuhren wir die Cape Royal Road auf dem Walhalla Plateau bis zum Ende weiter. Um 12:05 Uhr parkten wir und begaben uns auf den Cape Royal Trail. Die erste Sehenswürdigkeit hier war das Angels Window, ein großes Steinfenster, durch das man den Colorado River sehen kann.



Auf dem Steinfenster gab es eine Aussichtsplattform, von der man ebenfalls bis runter zum Fluss sehen konnte.




Nur wenige Gehminuten später waren wir am Cape Royal Point. Hier konnte man die komplette Weite des Grand Canyons erkennen und hatte einen super Blick bis rüber zum South Rim.







Nachdem wir das Panorama ausgiebig genossen hatten, kehrten wir zum Auto zurück. Wir hatten uns vorgenommen, auf dem Rückweg jeden Aussichtspunkt kurz anzufahren. Der erste Stopp war am Beginn des Cliff Spring Trails, der mit einer Distanz von einer halben Meile ausgeschildert war. Ein kurzer Abstecher, dachten wir, als wir uns um 13:00 Uhr auf den Weg machten.



Das erste Stück ging es bergab durch den Pinienwald, der intensiv duftete. Wir erreichten einen gewaltigen Felsüberstand, unter dessen „Dach“ der Weg entlangführte.






Im weiteren Verlauf eröffnete sich ein fantastischer Blick aus dem Seitenarm des Canyons heraus. Der Weg verlief direkt an der Felswand und wurde immer schmaler.







Je weiter wir gingen, um so schwerer war der Weg zu erkennen und wurde mehr und mehr zu einer Kletterpartie. Wir fühlten uns mitten in der Wildnis. Und urplötzlich kam uns ein älteres Ehepaar entgegen, die diesen versteckten Pfad offensichtlich auch gefunden hatten und wieder auf dem Rückweg waren. Sie erzählten, dass der Weg in etwa 200 bis 300 Metern an einem großen Felsen einfach endet.





Und dann hatten wir selbst das Ende am großen Felsen erreicht.







Nach einer kurzen Pause, in der wir die Aussicht genossen hatten, liefen wir den Trail zurück zum Auto, wo wir um 14:30 Uhr ankamen. Wir hatten nicht erwartet, hier anderthalb Stunden zu verbringen. Es war aber jede Minute wert.


Nun fuhren wir die restlichen Aussichtspunkte auf der Cape Royal Road an. Zuerst den Walhalla Overlook…






…dann den Roosevelt Point…



…und zuletzt hielten wir am Vista Encantada.




Auf unserem weiteren Weg in Richtung Parkausgang haben uns immer wieder die gelben Birkenblätter vor dem strahlend blauen Himmel fasziniert. Im leichten Wind fielen sie wie Goldregen zu Boden. Um 15:50 Uhr haben wir den Nationalpark verlassen.




Die nächsten 40 Minuten fuhren wir wieder durch die vom Waldbrand gezeichnete Gegend. Wie schon gestern legten wir einen kurzen Stopp am Kaibab Visitor Center ein. Die dortige Rangerin begrüßten wir mit den Worten „der North Rim ist ja viel schöner als der South Rim“. Sie grinste und erwiderte: „Ich weiß. Aber wir sagen es keinem“, was eine augenzwinkernde Anspielung auf die wesentlich geringere Besucherzahl war. Wir unterhielten uns noch eine Weile über Waldbrände, die zum Teil auch nötig sind, damit der Wald sich stetig erneuert. Wir waren überrascht, dass hier jährlich mehrere hundert Brände ausbrechen und diese offenbar zum Tagesgeschehen gehören.


Natürlich musste der Patch vom North Rim noch mit, genauso wie Smokey, der (Teddy-)Bär, der mit seiner Schaufel in der Pfote das Feuer bekämpft. Dann bogen wir auf die 89A in Richtung Fredonia, wo wir um 17:25 Uhr unser Auto fütterten. Die Naturholzschaukelstühle vor dem Tankstellenhäuschen waren wunderschön. Aber dass man hier neben seinem Lottoschein auch Waffen und Munition bekommt, daran werden wir uns wohl nie gewöhnen.



Mit einem wunderschönen Sonnenuntergang verließen wir kurz nach 18:00 Uhr bei Colorado City den Staat Arizona.



Eine Stunde später erreichten wir St. George, unser heutiges Tagesziel. Noch vor dem Check-in steuerten wir das Texas Roadhouse an, auf das wir uns schon während der Fahrt gefreut haben. Da Arizona bei der Sommerzeit nicht mit macht, war es hier in Utah eine Stunde später, und somit bereits 20:10 Uhr (anstatt 19:10 Uhr) als wir am Restaurant ankamen. Es war ziemlich viel los und so mussten wir im urigen Warteraum Platz nehmen bis unser Buzzer vibrierte und blinkte. Eine witzige Eigenschaft des Texas Roadhouse ist, dass auf jedem Tisch – und natürlich auch im Warteraum – ein Eimer Erdnüsse steht, aus dem man sich bedienen kann und die Schalen auf den Boden zu werfen pflegt. Claus bestellte sich heute zum ersten Mal loaded fries, in dem Glauben, dass es sich um eine größere Portion handelt. Tatsächlich aber waren die Pommes mit Käse und Speck überbacken – nicht ganz hüftfreundlich, aber mega lecker. 😊




Nach dem super leckeren Essen zog es uns um 21:40 Uhr in den nahe gelegenen Walmart, wo Claus sich den Wunsch nach einem neuen Koffer erfüllte. Um 22:30 Uhr kamen wir schließlich in unserem Hotel an. Die nette Rezeptionistin stolperte über unseren schwäbischen Namen und erzählte, dass sie Verwandtschaft im Schwarzwald habe. Das Zimmer und vor allem das Bad waren außerordentlich schön. Claus packte gleich seinen Koffer um und erst nach Mitternacht sind wir schlafen gegangen.



Unterkunft
Best Western Travel Inn, St. George

Wetter
North Rim: Sonnig aber kalt

Claus
+ Die Wanderwege und die Natur am North Rim. Der Duft des Pinienwalds. Das Abendessen im Texas Roadhouse.

Chris
+ Die überraschende und wunderschöne Wanderung (Cliff Spring Trail). Der North Rim war weniger überlaufen und stand landschaftlich dem South Rim in nichts nach. Das Abendessen im Texas Roadhouse inkl. dem lustigen Brauch, die Erdnussschalen einfach fallen zu lassen.

Dominic
+ Die tollen Aussichten. Die leckere Schoki am Morgen. Das leckere Essen im Texas Roadhouse. Das coole Hotelzimmer mit der tollen Dusche.
- Bei der Wanderung lag überall Muli Scheiße.

2 Kommentare:

  1. Wieder ganz viele WOW's von mir! Was für tolle Fotos. Gestochen scharfe Fotos, da das Wetter herrlich dafür war - sonnig, aber kalt. Der Tag fing toll an (mit der Aussicht bei der Cabin) und das ging die ganze Zeit so weiter...

    Ich musste gewaltig die Luft anhalten (und mich instinktiv hier zu Hause festhalten, hahaha), als ich euch im Video und auf den Fotos am Ende von dem einen Trail sah. Sieht bombastisch aus, aber macht mir ganz viel Angst. Ich denke, dass man dort ein Seil anbringen sollte, an dem die Wanderer sich zumindest festhalten können ;-). Wieder eine super tolle Erfahrung für euch!

    Zum Texas Roadhouse gehen wir auch gerne. Sie haben mit die besten Steaks. Ich kann mich aber immer nicht dran gewöhnen, die Erdnussschalen einfach auf den Boden zu werfen. Die Hausfrau in mir lässt das nicht zu ;-)))))).

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    1. Der Cliff Spring Trail war Natur pur. Dort am Ende ein Seil anzubringen ist meines Erachtens nicht notwendig. Ich glaube, das sieht auf den Fotos und im Video schlimmer aus, als es ist. Ich hatte mit meiner Höhenangst dort keinerlei Probleme. Und der Trail scheint (zumindest das letzte Drittel) kaum frequentiert zu sein.

      Das Texas Roadhouse ist zusammen mit dem Applebee's unsere Lieblingsrestaurantkette ;)

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