Glaubt man den Infos über Bergen, dann ist die Regenwahrscheinlichkeit hier sehr hoch. Der Dezember hat im Durchschnitt 21 Regentage. Ein Blick aus dem Fenster verriet mir, dass heute keiner davon war. Stark bewölkt, ja, aber trocken.
Sehr gut, denn ich hatte mir für heute vorgenommen, auf den Fløyen zu wandern, einen der sieben Hausberge von Bergen und 399 Meter hoch. An jedem Adventssonntag findet hier ein Event statt, bei dem u.a. eine Adventskerze angezündet wird. Ich konnte bei meinen Vorabrecherchen nur keine Uhrzeit dazu finden, also lieber früher los als zu spät. Nach dem Frühstück im Hotel machte ich mich um 9:15 Uhr auf den Weg. Es wurde gerade hell, wenngleich durch die Wolken der Sonnenaufgang nicht zu sehen war. Am Hafen konnte ich das gegenüberliegende Hanseviertel Bryggen nun bei Tageslicht sehen. Eine ausführliche Besichtigung hatte ich mir für einen der nächsten Tage vorgenommen.
Es ging am Fischmarkt vorbei in Richtung Starthaltestelle der Standseilbahn Fløibanen. Diese wollte ich zwar nicht nehmen, aber die Wanderwege beginnen ebenfalls hier. Ich kam an einem Egon Restaurant vorbei. Davon waren wir letztes Jahr in Oslo sehr angetan. Auch hier sah das Ambiente von außen schon mal sehr einladend aus. Von hier an ging es bergauf. Etwa 200 Meter weiter hatte ich die Talstation der Fløibanen erreicht. Dahinter schlengelte sich die Straße in Serpentinen nach oben. Für Fußgänger gab es immer wieder Treppen als Abkürzung.
Neben dem Mirador Skansen Bataljon, einer alten Feuerwache aus dem 19. Jahrhundert, ist ein kleiner Teich. Um diese Jahreszeit ist er gefroren und dient zum Schlittschuhlaufen. Von hier hat man schon einen ersten Ausblick über Bergen.
Hier verließ ich die Straße und begab mich auf einen der Wanderwege, die durch den Wald bergaufwärts führen. Immer wieder gab es Bänke, wo man sich gemütlich hinsetzen und den Ausblick genießen konnte. Neben einem Spielplatz stand dieser Kamerad hier und schaute ebenfalls auf die unten liegende Stadt.
Gute zwei Kilometer bis oben, verriet mir ein Schild. Das reicht normalerweise gerade mal zum Warmwerden. Allerdings gingen diese zwei Kilometer stetig bergauf, mal mehr mal weniger steil. Mir wurde also etwas schneller warm. Als ich zwei Frauen überholte, meinte eine von beiden, dass ich in guter Form sei. Sie gab Gas und wollte mithalten. Ich erfuhr, dass Norweger für solche Strecken Spikes an den Schuhen tragen. Jungs aus dem Schwarzwald schaffen das auch ohne solche Hilfsmittel. Wir kamen ins Gespräch, und als ich das Secret Garden Konzert erwähnte, hatten wir ein interessantes Thema gefunden. Die Band ist in Norwegen sehr bekannt. Sie erzählte, dass Rolf Løvland auch für viele andere Sänger(innen) Lieder schreibt, und spielte mir gleich eines davon aus ihrer Spotify Playlist vor. Ich erfuhr außerdem, dass das Kerzenevent auf dem Fløyen um 13:15 Uhr begann. An einem Waldkindergarten trennten sich schließlich unsere Wege.
Ich hatte noch ein kurzes Stück vor mir und erreicht schließlich einen schönen Aussichtspunkt, den ich mir schon vorab notiert hatte. Von hier konnte man wunderbar über Bergen sehen.
Die Aussichtsplattform lag nur ein kleines Stück weiter. Hier waren die Adventskerzen bereits aufgebaut, aber jetzt, um 10:45 Uhr, waren nur wenige Wanderer hier oben unterwegs. Ich genoss erst einmal die wundervolle Aussicht über die Stadt und den Fjord. Die Landschaft ist so schön, dass es sogar im tiefsten Winter Spaß macht, das alles zu erkunden und zu genießen. In regelmäßigen Abständen fuhr auch die Standseilbahn rauf und runter.
Auf der Rückseite konnte man in südöstlicher Richtung den Ulriken mit seiner Seilbahnstation und der Antenne sehen. Nach Westen lagen Bergen und der Fjord zu Füßen des Fløyen.
Ich schaute mich erst einmal in Ruhe um. Das Café hatte bereits geöffnet, und einen Souvenirshop gab es natürlich auch. Lediglich der Eis-Kiosk hatte um diese Jahreszeit geschlossen.
Da noch etwas mehr als zwei Stunden Zeit bis zum Kerzen-Event war, ging ich ein paar der umliegenden Wanderwege ab. Nur etwa 500 Meter entfernt sollte es einen See geben. Nur war der leider gefroren und mit Schnee bedeckt, und hob sich aufgrund dessen optisch nicht wirklich vom Rest der Landschaft ab.
Die Wanderwege waren gut ausgeschildert und der Schnee ordentlich platt getrampelt, so dass man problemlos darauf gehen konnte. Und man traf regelmäßig auf andere Wanderer und Skifahrer. Das waren wichtige Infos für die Wanderung, die ich morgen machen wollte. Dass mir diese Infos nicht wirklich nutzten... dazu morgen mehr. Auf den Wegen hier oben auf dem Fløyen gab es immer wieder Holztafeln mit lustigen Sprüchen.
Einer der Wanderwege, der auch als Loipe genutzt wurde, führte mich zu einem weiteren schönen Aussichtspunkt nördlich der Stadt.
Auf dem Rückweg zur Aussichtsplattform liefen vier asiatische Austauschschülerinnen vor mir und unterhielten sich angeregt. Eines der Mädels rutschte mitten auf dem Weg aus und fiel hin, stand aber recht schnell wieder. Ich dachte mir noch, dass man doch sieht, dass der Weg hier in der Mitte total vereist ist. Naja. Warum ich das erzähle? Siehe morgen.
Im angrenzenden Trollwald (Trollskogen), einem Gelände mit Kinderspielplatz, gab es jede Menge Trolle zu bestaunen. Manche waren in Baumstümpfe geschnitzt, manche bunt bemalt.
Gegen 13 Uhr war ich zurück auf der Aussichtsplattform. Hier war inzwischen deutlich mehr los. Ich suchte mir einen schönen Platz und bekam umgehend ein Faltblatt mit den Liedtexten ausgehändigt.
Jeden Adventssonntag singt hier abwechselnd ein Kirchenchor, heute war es der Chor der Kirche St. Jakob. Dazu erzählte Pfarrer Øyvin Rudolf Sønnesyn Berg eine Geschichte aus der Bibel und zog Parallelen zu aktuellen Geschehnissen in der Welt. Er erzählte auch den Witz mit dem amerikanischen U-Boot und dem Leuchtturm, und wies darauf hin, dass eben nicht immer alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Mein Norwegisch ist nicht besonders, aber aus dem Zusammenhang wurde stets klar, was gemeint ist.
Standesgemäß begann es, dicke Schneeflocken zu schneien und ich hatte Mitleid mit dem Gitarrespieler, denn es war hier oben äußerst frisch. Schließlich wurde die erste Kerze feierlich entzündet. Technisch war es ein simpler Knopfdruck auf der Fernbedienung. Zum Abschluss wurde das 'Vater unser' gebetet und ein weiteres Lied gesungen. Die Aussichtsplattform leerte sich schnell.
Ich hatte ursprünglich vor, bis zum Sonnenuntergang um 15:30 Uhr zu bleiben, aber bei dem wolkenverhangenen Himmel machte das keinen Sinn, und so nahm ich einen anderen der zahlreichen Wanderwege zurück hinunter nach Bergen.
Ich kam an einem Laden vorbei, der die Farbe (Jotun) verkauft, mit denen auch Nordic-Haus seine Fassaden streicht. Gegen 14:45 Uhr war ich zurück im Hotel und machte eine kurze Aufwärmpause.
Eine Stunde später ging es wieder auf Tour. In diesem Extra Supermarkt deckte ich mich regelmäßig mit Getränken und Keksen ein, da er günstig in der Straße zum Hotel lag und super Öffnungszeiten hatte.
Hinter dem Bogenschützen-Museum begann die lange Einkaufsstraße Strandgaten, die ins Stadtzentrum führte. In der Fußgängerzone befindet sich eine Gedenkstätte für norwegische Seefahrer, die sich der Entdeckung Amerikas durch die Wikinger, der Wiederentdeckung Grönlands, dem Walfang und den Handelsfahrten der Hanse widmet.
Ich kam am Pavillon vorbei und drehte eine kurze Runde über den Weihnachtsmarkt. Aber mein eigentliches Ziel war die Bushaltestelle Olav Kyrres gate. Denn von hier fuhr morgen der Bus zu meiner nächsten Wanderung ab, und ich wollte nicht erst morgen früh im Dunkeln die Haltestelle suchen. Jetzt knurrte mein Magen, und da ich vorhin an einer Subway Filiale vorbei kam, fiel die Entscheidung leicht.
Frisch gestärkt erkundete ich ab 17 Uhr den nordöstlichen Teil der Innenstadt. Die schmalen Straßen strahlten eine Gemütlichkeit aus, und die Weihnachtsbeleuchtung trug maßgeblich zur Stimmung bei.
Zum Aufwärmen legte ich einen weiteren Zwischenstopp im Hotel ein. Der Frühstücksraum inkl. geschmücktem Weihnachtsbaum war bereits für den nächsten Morgen vorbereitet.
Abends begab ich mich nochmal auf einen weiteren Spaziergang. Ich wollte herausfinden, wie lange ich zu den Grieghallen benötige, wo am Dienstag das Weihnachtskonzert stattfinden sollte. Der Festplatz mit dem Weihnachtsmarkt liegt direkt neben dem Stadtteich, der natürlich ebenfalls gefroren und zugeschneit war. Am anderen Ende des Teichs befanden sich die Grieghallen, und in der Vorankündigung weiterer Events fand sich auch das Weihnachstkonzert von Secret Garden. Wenige Meter weiter befand sich ein großes Einkaufszentrum mit zahlreichen Geschäften und lustigen WC-Schildern.
Auf dem Rückweg schlenderte ich noch gemütlich über den Weihnachtsmarkt und schaute mir die verschiedenen Stände an. Hier lief überall amerikanische Weihnachtsmusik, u.a. Lieder von Sarah McLachlan und der Jingle Bell Rock von Bobby Helms, den man aus dem ersten Lethal Weapon Film kennt. Da fühlte ich mich gleich wie Zuhause.
Der Weg zurück ins Hotel führte mich dann erneut durch die Einkaufsstraße Strandgaten und am Bogenschützen-Museum vorbei. Damit war ich dann auch genug gelaufen für heute.
In weiser Voraussicht auf die morgige Mammuttour und das damit verbundene frühe Aufstehen, ging ich heute etwas zeitiger ins Bett.










































































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