Samstag, 2. Dezember 2023

Besser spät als nie

Um 5:30 Uhr klingelte der Wecker. Kurz durchs Bad, eine Kleinigkeit frühstücken, und eine Stunde später saßen wir im Auto Richtung Stuttgart. Chris hatte angeboten, mich zum Flughafen zu fahren, da sie eh nach Würzburg wollte. Die A8 war bei Pforzheim voll gesperrt, aber so früh morgens ist es noch kein Problem, die Umleitung durch die Stadt zu nehmen. Um 8 Uhr setzte Chris mich am Flughafen Stuttgart ab. Ich hatte am Vortag bereits online für meinen Flug bzw. meine Flüge (die Buchung sah einen Zwischenstopp vor) eingecheckt, und da ich lediglich Handgepäck dabei hatte, konnte ich direkt zur Sicherheitskontrolle durchgehen. Die war dann auch im Nu erledigt und so hieß es warten. Der Abflug war für 9:45 Uhr vorgesehen, aber kurz vorher gab es eine Durchsage, dass sich durch den Wintereinbruch einiges verzögern würde und die neue Abflugzeit 10:25 Uhr beträgt. Mist, damit wären die 45 Minuten für den Zwischenstopp aufgebraucht. Ich bekam dann auch zeitnah eine Info, dass ich meinen Anschlussflug in Amsterdam nicht erreichen werde, konnte aber problemlos auf einen späteren Flug um 15:30 Uhr umbuchen. Damit war das Problem erst einmal gelöst.

Das Flugzeug hob letztendlich um 10:40 Uhr vom Stuttgarter Boden ab. Ich kam mit dem Mann neben mir ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass er bei der Diözese Rottenburg-Stuttgart arbeitet, für die ich in den 90ern meinen Zivildienst leistete. Natürlich kannte er Schramberg, erzählte, dass er in Lauterbach sein Gemeindepraktikum gemacht hatte und nun beruflich auf dem Weg nach Ghana ist, wo auch meine Ex-Chefin bei einem gemeinnützigen Projekt mitarbeitet, allerdings über eine private Organisation. Die Welt ist doch klein. Um 12:35 Uhr landeten wir in Amsterdam. Zeit zum Umsteigen hatte ich nun mehr als genug.



Für die nächste Reise habe ich mir fest vorgenommen, ein Buch einzustecken. Die Wartezeit vergeht sehr langsam, wenn man nichts zu tun hat. Zwar gab es am Flughafen kostenloses WLAN, aber der Akku hält ja nicht ewig, und wer weiß, für was man das Smartphone noch braucht, bis man endlich am Ziel ist. Und tatsächlich: Kurz vor dem geplanten Check-in wurde eine Verspätung durchgesagt. Die neue Abflugzeit war nun 16:35 Uhr, eine gute Stunde später. Zudem wurde das Gate gewechselt. Ok, das bedeutete wenigstens ein wenig Bewegung nach all der Sitzerei. Die Situation wurde am anderen Gate leider nicht besser. Denn nach kurzer Zeit wurde eine weitere Verspätung angekündigt, diesmal auf 17 Uhr. Über Lautsprecher kam die Durchsage, dass das Flugzeug morgens von Deutschland nach Paris geflogen sei und jetzt auf dem Weg nach Amsterdam wäre. Aufgrund des Wintereinbruchs in Europa seien überall Verzögerungen, was sich durch den gesamten Flugplan ziehe.


Die nächste Verspätung wurde dann mit 17:10 Uhr bekanntgegeben. Ok, auf die 10 Minuten kam es jetzt auch nicht mehr an. Und dann landete tatsächlich das Flugzeug am Gate und die Passagiere aus Paris verließen die Maschine. Wir konnten zuschauen, wie das Gepäck ausgeladen wurde und der Reinigungstrupp sich auf den Weg machte, den Flieger zu säubern. Danach wollte man mit dem Boarding beginnen. Und tatsächlich: Um etwa 17 Uhr begann das Boarding. Parallel dazu wurde das Flugzeug noch betankt. Plötzlich lief immer mehr Flughafenpersonal zur Maschine, klopfte und schraubte am Tankdeckel herum und suchte irgendwas auf dem Boden. Und das Boarding wurde gestoppt. Der freundliche Herr, der für unsere Durchsage zuständig war, kündigte an, dass die Kollegen mit ihrem Fahrzeug gegen die Maschine gefahren wären und dabei ein Schaden entstanden sei, der nun durch einen Gutachter geprüft werden und ggf. repariert werden müsse, da der Pilot es als nicht sicher einstufte. Wir müssten mit einer weiteren Verzögerung von schätzungsweise einer Stunde rechnen. Er bot an, an seinem Arbeitsplatz mobile Geräte aufzuladen. Das Angebot nahm ich gerne an.

Es dauerte und dauerte. Irgendwann zog sich der Durchsage-Mensch eine Warnweste über und ging selbst nach draußen zum Flugzeug. Dort hoben sich alsbald mehrere Daumen, und als er zurückkam sagte er "I fixed it myself now". Der Beifall war ihm sicher, das Boarding wurde fortgesetzt, und um 18:30 Uhr hoben wir endlich von Amsterdam ab. Kurz nach 20 Uhr landeten wir in Bergen. Viele der Passagiere hatten eine Kreuzfahrt von hier gebucht, und das Schiff war natürlich bereits abgefahren. Irgendwie mussten diese Leute nun in den nächsten Hafen gebracht werden. Ich hatte es da einfacher, denn ich musste nur mit der Straßenbahn eine Dreiviertelstunde ins Stadtzentrum fahren. Die Ticketautomaten in Norwegen sind kinderleicht zu bedienen, und das Ticket landet dann total easy per SMS oder eMail auf dem Smartphone. Was mir während der Fahrt auffiel: So ziemlich alle Häuser in Norwegen sind weihnachtlich geschmückt. Es waren ständig zahlreiche Lichterketten an Balkonen zu sehen, und in den Fenstern leuchteten Sterne und andere Dekorationen.



Um 21:15 Uhr kam ich im Stadtzentrum von Bergen an. Dem Hotel hatte ich schon am Flughafen in Amsterdam eine spätere Ankunftszeit mitgeteilt, so dass ich nun gemütlich durch die Innenstadt gehen und erste Eindrücke sammeln konnte. Der Pavillon direkt neben dem Weihnachtsmarkt fiel mir sofort ins Auge. Hier würde ich die nächsten Tage noch öfters vorbeikommen. Sämtliche Straßen waren festlich dekoriert. Das kannte ich schon vom letzten Jahr in Oslo. 12 Minuten betrug laut Google Maps der Weg zu Fuß zu meinem Hotel. Mit ein paar Fotostopps und einem kleinen Einkauf in einem 200m vom Hotel entfernten Supermarkt wurde daraus eine knappe halbe Stunde. Um 21:45 Uhr war ich endlich da, fast 7 Stunden später als ursprünglich geplant.





Ich hatte bereits online eingecheckt, so dass ich an der Rezeption nur noch meine Zimmerkarte abholen musste. Und das war mein Zimmer, die Nummer 416: Ein Superior Doppelzimmer mit eigenem Bad. Ruhig gelegen und ein toller Ausblick aus dem Fenster. Ich sah direkt auf den Fløyen, einen der sieben Stadtberge. Es war gut erkennbar, wo die Standseilbahn nach oben fährt.







Wer mich kennt weiß, dass ich Bewegung brauche. Den ganzen Tag nur am Flughafen und in Flugzeugen zu sitzen, ist anstrengend. So entschied ich mich, trotz später Stunde - es war inzwischen nach 22 Uhr - noch einen Spaziergang durch die nähere Umgebung zu machen. Am Hafen stand ein großes Schiff, und ich konnte auf der anderen Seite das Hanseviertel Bryggen und die Festung Bergenhus erkennen.




Mein Ziel war Nordnesparken, ein kleiner Park, in dem ein Totempfahl steht, und von dem aus man eine schöne Sicht auf den Fjord hat. Jetzt bei Nacht im Vollmond hatte das sogar auch seinen Reiz.




Auf meinem weiteren Weg traf ich auf Mr. und Mrs. Santa, die in ihrem Wagen (standesgmäß von einem Rentier gezogen) gerade Halt bei einem Meerwasserbad machten, wo aktuell Winterbaden angeboten wurde.



Diese Häuser erinnerten mich ein bisschen an San Francisco, auch wegen der steilen Straße, an der sie standen.



Ich kam an einigen schönen Häusern vorbei und lief durch gemütliche, schmale Gassen.




Gegen 23 Uhr war ich zurück im Hotel und beendete den Tag. Morgen stand schließlich eine kleine Wanderung bevor.

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