Mittwoch, 3. Oktober 2018

Heli, Boot und Skywalk

Für heute hatten wir uns zu 5:00 Uhr den Wecker gestellt, da wir noch frühstücken wollten, bevor wir für die gebuchte Skywalk Getaway with Heli and Boat – Tour abgeholt wurden. Nachdem wir unser Gepäck ins Auto gebracht und ausgecheckt hatten, liefen wir zum wenige Meter entfernten IHOP. Das dortige Frühstück konnte uns drei allerdings nicht begeistern. Die Speisen waren für unseren Geschmack deutlich zu fettig. Schon 2009 in San Francisco waren wir nicht wirklich zufrieden, so dass wir diese Kette zukünftig meiden werden.



Um 7:20 Uhr sollten wir am Nordeingang des Stratosphere Casinos eingesammelt werden. Keine zwei Minuten nachdem wir da standen, kam auch schon der Shuttle Bus. Wir waren offensichtlich die ersten auf der Pick-up Liste. Auf Claus‘ Nachfrage erzählte der Fahrer, dass es am Vortag am Grand Canyon tatsächlich geregnet hätte. Also hatten wir mit der Umbuchung auf heute die richtige Entscheidung getroffen. Vor der 35-minütigen Fahrt nach Boulder City wurden noch neun weitere Gäste aus verschiedenen Hotels in Las Vegas abgeholt.


Nach der Ankunft am Airport von Papillon wurden wir gewogen und eingecheckt. Dann wies man uns darauf hin, dass es aufgrund des Wetters evtl. möglich wäre, dass bestimmte Teile unserer Tour ausfallen könnten und selbstverständlich erstattet würden. Zum Glück traf das aber nicht ein. Nachdem wir den Sicherheitsfilm geschaut hatten, mussten wir uns noch bis 9:30 Uhr gedulden. Pünktlich wurden wir und eine weitere dreiköpfige Familie vom Piloten eingesammelt. Dann ging es gemeinsam hinaus auf den Platz, wo die Hubschrauber standen.




Nachdem mit beiden Familien jeweils ein Gruppenfoto vor dem Heli aufgenommen wurde, bekamen wir unsere Plätze zugewiesen. Wir hatten uns im Vorfeld um die beiden Vordersitze beworben, und nach den vorliegenden Gewichtsangaben wurden diese nun gegen Aufpreis an Chris und Dominic vergeben. Chris hat sich darüber gefreut wie ein Schneekönig. Claus bekam den linken Fensterplatz in der hinteren 4er-Reihe und war damit auch glücklich.



Als erstes flogen wir zum Anfang der 1930er Jahre erbauten Hoover Damm, der den Colorado River zum Lake Mead aufstaut. Lange Zeit war der Lake Mead mit 640 km² der größte Stausee der USA, bis er vom Lake Powell abgelöst wurde.







Nach einiger Zeit flogen wir über die Stelle, an der der Colorado River in den Lake Mead mündet. Bei Regen wird viel Schlamm in den Fluss gespült, was dazu führt, dass der Colorado River rotbraun eingefärbt ist. Das gab ihm auch seinen spanischen Namen (Colorado = colored red = rot gefärbt).



Nach 45 minütiger Flugzeit erreichten wir den Westausläufer des Grand Canyons und waren total beeindruckt, wie sich aus dem Nichts plötzlich das Colorado Plateau erhebt und der Colorado River sich tief unten durch die Steilwände schlängelt. Am South Rim, wo wir vor 9 Jahren bereits einen Helikopterflug (auch mit Papillon Airways) gemacht haben, dürfen die Hubschrauber nicht mehr in den Canyon hineinfliegen. Hier am West Rim ist das nach wie vor erlaubt und Teil unserer Tour. Der Pilot begann mit dem Landeanflug und steuerte den Helikopter über dem sich schlängelnden Colorado River zwischen den Felswänden immer tiefer nach unten. So in den Canyon zu sinken, war ein fantastisches Erlebnis. Es dauerte nicht lange, und die Maschine setzte auf dem Grund des Canyons auf.







Kaum waren wir gelandet, winkte man uns zu einer Holztreppe, die zum Colorado River hinunter führte. Dort stand auch schon ein Pontoon Boot bereit. Wir bekamen Schwimmwesten ausgehändigt und konnten uns einen Sitzplatz aussuchen. Dann startete der Kapitän, ein Hualapai Indianer, den Motor und das Boot schoss mit hoher Geschwindigkeit stromaufwärts über den Fluss. Links und rechts ragten die steilen Canyonwände empor. Nach wenigen Minuten stoppte er das Boot und wir bekamen Zeit, um Fotos zu machen.








Auf der nun folgenden Rückkehr zum Bootssteg erzählte uns der Indianer viele interessante Dinge über den Grand Canyon und den Colorado River. Wir nutzten die langsame Rückfahrt auch dazu, unsere Hände in das eiskalte Wasser zu strecken.



Nachdem das Boot wieder angelegt hatte, gaben wir unsere Schwimmwesten zurück und stiegen über die Holztreppe hinauf zum Hubschrauberlandeplatz. Dort wartete schon ein anderer Helikopter mit weniger Sitzen und einem anderen Piloten. Zu dritt flogen wir in wenigen Minuten die steile Canyonwand hinauf zum West Rim. Die andere Familie folgte uns in einem weiteren Hubschrauber. Oben angekommen bekamen wir in einem Container, der als Flughafengebäude diente, exklusive West Rim-Taschen, die ein kleines Lunch-Paket enthielten. Es folgte eine längere Wartezeit, da momentan sämtliche Führer vergeben waren.





Nach einer Dreiviertelstunde, um 12:00 Uhr, empfing uns Brian, ebenfalls ein Hualapai Indianer, der uns mit einem kleinen Shuttlebus das kurze Stück zum Skywalk fuhr. Dort mussten wir sämtliche Kameras, Handys usw. in ein Schließfach packen und durch eine Sicherheitsschleuse gehen, in der versteckte elektronische Geräte aufgefallen wären. Eigene Fotos sind auf dem Skywalk verboten. Ein Fotograf der Indianer macht exklusiv Fotos, die dann im Anschluss käuflich erworben werden können. In unserem gebuchten Paket war bereits ein Bild pro Person enthalten. Mit Schuhüberziehern ging es schließlich hinaus auf die Glasplattform. Diese Überzieher sollen Kratzer im Glas vermeiden. Das gelingt allerdings trotzdem nicht ganz, so dass die obere Schicht des Bodens etwa alle zwei Jahre erneuert werden muss. Interessant war es, zu erfahren, dass der Glasboden u.a. aus Deutschland stammt.



Immer begleitet von dem Fotografen der Hualapai Indianer, der Bilder in allen möglichen Positionen schoss, wurden wir einmal über den halbkreisförmigen Skywalk, der sich in 1.200 m Höhe befindet, geleitet. Nach etwa 10 Minuten waren wir auch schon wieder im Gebäude und durften unsere Sachen aus dem Schließfach nehmen. Dann konnten wir uns die aufgenommenen Bilder anschauen, das Gratisfoto auswählen und entscheiden, ob wir das Komplettpaket auf einem USB-Stick für $50 kaufen wollten, was wir auch taten. Im Anschluss landeten wir wie von Zauberhand in einem Souvenirshop.




Dieses Bild entstand noch nach Anweisung des Fotografen
Dieses Bild entstand danach spontan
Brian teilte uns mit, dass wir uns auch gerne draußen umschauen könnten. Es gäbe noch einen weiteren Souvenirshop und auf einer Bühne würde eine Aufführung der Hualapai Indianer stattfinden. Um 13:20 Uhr würde er uns dann wieder einsammeln.

Wir nutzten die Zeit, um am West Rim entlang zu gehen, den Skywalk und den Grand Canyon von der Abbruchkante zu bestaunen. Immer wieder wurden wir auf die Vorstellung der Indianer und die beiden Souvenirshops hingewiesen. Klar, man will hier verkaufen.





Um 13:20 Uhr fuhren wir schließlich mit dem Shuttle zum Abfluggebäude zurück, wo wir uns erneut den Sicherheitsfilm anschauen mussten und dann darauf warteten, dass man uns aufrief. Das geschah recht zügig, und draußen kam dann auch schon der Helikopter mit unserem Piloten vom Hinflug angeflogen. Nachdem wir unsere bereits bekannten Sitzplätze eingenommen hatten, ging es auf direktem Wege zurück nach Boulder City.



Im Terminal von Papillon Airways mussten wir knappe 25 Minuten auf den Shuttle Bus nach Las Vegas warten. Auch hier gab es einen Souvenirshop und man konnte das Foto, das vormittags am Helikopter aufgenommen wurde, käuflich erwerben.

Mit einem großen Reisebus wurden wir die 35 Minuten nach Las Vegas zurückgefahren und dort dann in kleinere Shuttle Busse aufgeteilt. Wir bekamen wieder unseren Fahrer vom Morgen. Da die Hotels in umgekehrter Reihenfolge angefahren wurden, waren wir diesmal die letzten, die ausstiegen. Erst um 16:00 Uhr kamen wir am Hotel an.

Da die Tour mit 6,5 – 7 Stunden angegeben war, hatten wir eigentlich mit einer Rückkehr spätestens gegen 14:30 Uhr gerechnet. Immerhin hatten wir noch eine vierstündige Fahrt zum Grand Canyon vor uns, wo wir morgen wandern und dafür noch die im Internet gefundenen Informationen im Visitor Center bzw. Backcountry Office abgleichen wollten. Da diese aber zum Sonnenuntergang schließen (was aktuell zwischen 18:00 und 18:30 Uhr war) konnten wir das nun vergessen.

Wir stiegen trotzdem direkt in unser Auto und fuhren auf den Las Vegas Strip in südlicher Richtung. Schon nach kurzer Zeit standen wir im Stau. Ohne funktionierendes Navi und genaues Kartenmaterial versuchten wir, um den Stau herum zu navigieren. Natürlich haben wir uns verfranzt und mussten wenden, aber letztendlich gelangten wir auf die gewünschte Tropicana Avenue, wo wir an einem Walmart nochmal kurz anhielten, und ein paar Einkäufe erledigten. Hier bekam Chris ihre lang gewünschten Hiking-Stöcke.

Hungrig vom langen Tag, entschieden wir uns, im wenige hundert Meter entfernten Jack in the Box leckere Jumbo Burger zu essen. Am Getränkeautomaten dachten wir zuerst, wir machten etwas falsch. Als wir uns zu fragen trauten, stellte sich dann aber heraus, dass das Gerät defekt war.


Um 18:30 Uhr verließen wir Las Vegas in der Abenddämmerung. Eine halbe Stunde später fuhren wir am Hoover Damm vorbei. Es war inzwischen komplett dunkel, so dass wir den Aussichtspunkt links liegen ließen. Wir hatten den Damm ja morgens bereits aus der Luft in seiner ganzen Pracht bestaunen können. So fuhren wir direkt weiter nach Kingman, wo wir auf die Autobahn (I-40) trafen. Bei Tageslicht empfiehlt es sich, hier ein Stück auf der historischen Route 66 zu fahren. Das hatten wir aber bereits vor neun Jahren gemacht, so dass wir ohne schlechtes Gewissen, aber mit Erinnerungen an den damaligen Urlaub, weiter in Richtung Williams fuhren. Dominic war längst auf dem Rücksitz eingeschlafen, und wir merkten nun auch immer deutlicher den langen Tag. Das stundenlange Geradeausfahren war da nicht gerade förderlich. Einzige Abwechslung waren immer wieder grelle Lichtblitze am Horizont, die Claus für ein riesiges Gewitter, Chris eher für Wetterleuchten hielt. In Williams stoppten wir an einer Tankstelle, tankten unseren Ford Escape voll und gönnten uns zwei Snickers und eine Cola für die letzte quälende Autostunde nach Tusayan.

Um 22:30 Uhr kamen wir in unserem vorgebuchten Hotel an. Da wir von den Auswirkungen des Hurricanes Rosa bislang noch nichts mitgekriegt hatten, fragten wir beim Einchecken nach dem Wetter. Man sagte uns, dass es am Folgetag bewölkt sei, aber für den Freitag viel Sonne angekündigt wäre. Chris überredete dann Claus, die Wanderung zum Colorado River um einen Tag zu verschieben. Das würde zwar bedeuten, dass nach der anstrengenden Wanderung noch zweieinhalb Stunden Autofahrt nach Page anstünden, aber ok. Müde stimmte Claus zu, und um Mitternacht waren wir schließlich im Bett.

Unterkunft
Red Feather Lodge, Tusayan

Wetter
Sonnig und warm

Claus
+ Helikopterflug, Bootsfahrt inkl. Hände ins Wasser des Colorado Rivers.
- IHOP.

Chris
+ Hubschrauberfliegen ist toll. Bootstour im Colorado. Skywalk.
- Crêpes, die nach Frittenöl schmecken. Wartezeit vor und nach dem Skywalk. Lange Autofahrt am Abend.

Dominic
+ Hubschrauberfliegen.
- IHOP hat mir nicht geschmeckt. Der defekte Getränkeautomat bei Jack in the Box. Die lange Autofahrt, auch wenn ich geschlafen habe.

3 Kommentare:

  1. Wow, was für ein tolles Abenteuer! Soooooo tolle Fotos, vor allem am Grand Canyon und die ausgelassenen Fotos von euch sind ganz besonders super! Ich muss ja dann doch die Luft etwas anhalten, wenn ich die Bilder sehe. Ich habe mit Höhenangst zu kämpfen (zwar nicht panische Angst, aber immerhin...). Also der Hubschrauberflug wäre ja echt nichts für mich gewesen, ganz zu schweigen von der Glasbodenwanderung lach! Super Sache, hatte sicherlich auch seinen Preis ;-) ...

    Ich denke, dass das eine gute Sache war, dass ihr die Wanderung auf den nächsten Tag verschoben habt, vor allem auch wegen der späten Anreise usw.

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    1. Ich habe auch Höhenangst, aber im Hubschrauber klappte es super. Vielleicht weil man 'Blech' um sich herum hat und man sich festhalten kann. Wenn es dagegen kein Geländer o.ä. gibt, dann wird's schwierig...

      Wir hatten diese Tour gebucht (und sie war ihr Geld wirklich wert):
      https://www.papillon.com/las-vegas-tours/helicopter-with-skywalk-tours/skywalk-getaway-with-heli-and-boat

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    2. Okay. Ich habe mir die Preise angeschaut *-*!!! Und musste ordentlich schlucken, lach. Aber es war auf jeden Fall eine One-in-a-lifetime-experience!

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